13. September 2012  bis  12. Januar 2013

"Die letzten Fisch-Porters von London" Fotografien von Claudia Leisinger

Vernissage: 13. September, 19.00 Uhr
Die Fotoserie von Claudia Leisinger befasst sich mit den letzten Porters, stolze Vertreter einer traditionellen Berufsgattung, die es nun seit dem 28sten April 2012 nicht mehr gibt.

Seit 1699 wird im Londoner Billingsgatemarket mit Fischen gehandelt. Die Porter-Lizenzen gaben ihren Trägern das alleinige Recht, innerhalb des Marktgeländes Fische zu transportieren. Das Schleppen von schweren Kisten mit eisgekühltem Fisch ist harte körperliche Arbeit.

Dennoch sind diese Männer stolz darauf, Teil einer jahrhundertealten Tradition zu sein. Das Amt des Porters wurde innerhalb der Familie weitergegeben. So ist eine eng verwobene Gesellschaft mit der ihr typischen Kameradschaft und humorvollen und schlagfertigen Sprüchen entstanden. Die Porters galten als die Seele des Billingsgate Fischmarktes.

Nun hat aber im April 2011 die City of London Corporation durch den Widerruf eines Statuts aus 1876, diese Lizenzen zurückgezogen. Ohne den Schutz durch ihre Lizenz können jetzt die Porters durch billige Taglöhner ersetzt werden

Die Corporation beteuert, dass dieser Schritt nur der notwendigen Modernisierung des Marktes diene. Kritiker sehen dies allerdings weniger positiv: Ken Livingstone, der frühere Bürgermeister von London sieht darin "ein weiteres Beispiel der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen" und der Labour-Parlamentarier Jon Cruddas befürchtet, dass der Billingsgate Markt Expansionsplänen im benachbarten Wirtschafstzentrum Canary Warf im Wege stehe.

Dieser letzte Punkt ist der Schlüssel zu dieser Geschichte. Der Billingsgatemarket grenzt nicht nur am Finanzdistrikt Londons, sondern neu auch an das Olympiagelände für die Spiele im Juli 2012.

Dadurch hat diese Gegend in den letzen Jahren eine massive Aufwertung erfahren. Es werden unter anderem neue Transportverbindungen geschaffen, wie der Stratford International und der Cross Rail Bahnhof. Diese neuen Errungenschaften machen das Marktgelände von 13 Hektaren nun unglaublich wertvoll.

Die Porters gauben, dass der Fischmarkt nach der Olympiade bald einmal an einen anderen Standort verschoben wird. Dass die City of London Corporation sich zuvor noch schnell diese Porters, die einzigen Gewerkschafter des Fischmarktes, vom Hals schafft, könnte der erste Schritt in diese Richtung sein.

Claudia Leisinger befasst sich mit den Fish Porters, weil sie ein grosses Interesse an jener Mikrokulturen hat, die oft im Umfeld von manuellen Arbeiten mit geringem Sozialprestige entstehen.

Die Ironie am Verschwinden solcher Gemeinschaften ist, dass die modernen Industriegesellschaften ihren Angestellten  - und uns, den Kosumenten - genau diese Freude an der Arbeit, diese Loyalität und den entsprechenden Berufsstolz vorgaukeln wollen.